Freitagsgebet

Foto (74)

Minarette sehen hier in der Altstadt von Tunis aus wie Kirchtürme, viereckig und haben einen kleinen Aufbau oben drauf. Dieses Minarett steht in der Nähe von meiner Wohnung und gehört zur Kasbah-Moschee. Fünfmal am Tag ruft hier der Muezzin zum Gebet auf. Meist hört man mehrere Rufe gleichzeitig durcheinander – ein herrliches Wirrwarr, klingt sehr improvisiert aber doch irgendwie zusammen. Tunesien ist fast zu hundert Prozent muslimisch. Selbst die jungen Leute haben hier ihren festen Bezug zur Religion, sehen es aber über weite Strecken als Privatsache.

Im Quartier wo ich arbeite wird am Freitag (wie Sonntag für die Muslime) ab ca. 13 h das Freitagsgebet direkt auf das Quartier übertragen, per Megaphon. Lautstärke: nicht überhörbar dominant bis in unsere Büros hinein. Dann hört man nicht nur den Ruf des Muezzins sondern die ganze Predigt des Imams und wie er den Menschen im Quartier sozusagen über Lautsprecher eine Lektion in religiöser Erziehung erteilt. Das darfst du tun, sagt Allah, aber das nicht.  Meine Kollegin im Büro verdreht dann jeweils die Augen, und meint, das gehört einfach nicht in die Öffentlichkeit. Das ist doch eine Sache zwischen Gott und mir.

Seit das Regime von Ben Ali aus dem Land verjagt wurde, ist es erlaubt die Predigten am Freitag öffentlich zu übertragen. Vorher war das verboten. Nur der Ruf des Muezzin war zu hören. Auch ein Teil der Meinungsfreiheit, sagt mein Tutor im Büro …

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s