Bootsflüchtlinge und Rückkehrer

Manai Taheri, Ex-Taekwondo-Meister Tunesien
Manai Taheri, Ex-Taekwondo-Meister Tunesien

Unterwegs mit Lukas Rüst, der für die DEZA die Schweizer Rückkehrhilfe für tunesische Migranten in Tunis leitet. Gegen 700 Migranten sind so schon in Tunesien gelandet. Sie starten hier mit einem Unterstützungbetrag von durchschnittlich ca. 3000 Franken ihre unternehmerischen Projekte.

Die Schweiz ist das Land, das aus Europa bei weitem am meisten Rückkehrer nach Tunesien bringt. 2013 werden 430 Start-Projekte unterstützt, für 2014 erwartet man nochmals mehrere hundert, obwohl die Asylgesuche aus Tunesien zurückgegangen sind. Rund 5000 Personen aus Tunesien haben Asylanträge in der Schweiz gestellt seit der Revolution 2011, die Rückkehrhilfe ist an die Asylgesuche gekoppelt. Die Asylgesuche nehmen allerdings seit 2013 ab, es scheint ein Zyklus zu Ende zu gehen. Im dritten Quartal 2013 sind nur noch 251 Gesuche gestellt worden, im Quartal davor waren es noch über 550, im ersten Quartal 2013 noch 640. Tunesien gehörte nach dem arabischen Frühling zu den Ländern mit den meisten Asyl-Gesuchstellern in der Schweiz. Das scheint sich dieses Jahr zu ändern.

Wir stehen in einem Fitnessstudio im Stadtteil Zarhrouni, der Boden ist mit Matten ausgelegt, im hinteren Raum stehen Maschinen für den Muskelaufbau. Zwei Leute trainieren um diese Zeit. Am Abend ist es voll, versichern die Besitzer. Hier trainiert Manai Taheri seine Kunden in Taekwondo. Bevor er ausgewandert ist, war der 24-jährige Taekwondo Champion in Tunesien. Das Sportstudio gab es schon vor seiner Migration. Sein Bruder hat es während seiner Abwesenheit weiter geführt. Mit der Rückkehrhilfe aus der Schweiz konnten sie einige Gewichtstemm-Maschinen mehr anschaffen für insgesamt 9000 Dinar (ca. 4000 CHF), ein Laufband haben sie aber noch immer nicht. Aber die bessere Ausrüstung im Studio hat bereits mehr Kunden angezogen. 260 feste Abonnenten für Taekwondo, Muskelaufbau und Aerobic zählt das Sportstudio. Der Betrieb ernährt im Moment drei Familien. Manai Taheri träumt bereits von seinem eigenen Studio.

Er hat zwei Versuche gebraucht, bis er die Überfahrt nach Italien schaffte. Nach drei Tagen auf dem Meer kehrte das erste Fischerboot um, der Fischer war ein schlechter Navigator. Beim zweiten Anlauf hat es geklappt, vor der Küste Sizilien wurden sie ausgesetzt und mussten an Land zu schwimmen. Zweimal 750 CHF hat er an einen Schlepper bezahlt. Rückblickend findet er das alles gefährlich, er würde es keinem mehr raten – „la mer fait peur“. Manai wollte immer in die Schweiz um zu arbeiten und erst im Asylzentrum ist ihm klar geworden, dass er dort keine Chance auf Arbeit haben würde. Das Leben im Zentrum Zürich Altstetten und St. Gallen war stressig sagt Manai, es gab auch rassistische Äusserungen vor allem gegen Araber. Die Rückkehrhilfe dagegen sieht er positiv. Er will im Business bleiben. Als Taekwondo Trainer sieht er eine Zukunft für sich.

Das Sportstudio ist ein eher untypisches Projekt unter den Rückkehrern. Die meisten Projekte sind aus dem Landwirtschaftssektor, gefolgt von der Kleider- und Baubranche. Es gibt auch einige Fischer, Restaurantbetreiber und kleine Lebensmittelläden. Floriert das Kleinunternehmen, wird es sogar helfen Arbeitsplätze zu schaffen. Das wäre die beste Entwicklungshilfe für die Migranten, meint Lukas Rüst von der DEZA.

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