Tag der tunesischen Frau?

Konferenz zum Tag der Frau

„Bonne fête“ wünscht mir der Taxifahrer für den 8. März, den Tag der Frau. Die tunesische Frau kann zwar die Gleichstellung in der neuen Verfassung feiern. Aber im Alltag sieht sie sich teilweise noch immer prekären Behandlungen ausgesetzt. An der Konferenz „Figures de la Précarité et de la Marginalité au Féminin“ tauschten mehrere Frauenorganisationen Fakten und Zahlen zu Realitäten von Frauen in Tunesien aus.

Monia Ben Djemia von der Association Tunisien des Femmes Démocrates ATFD nannte Erfahrungen von häuslicher Gewalt, über welche Frauen im von ATFD eingerichteten „Centre d’Ecoute“ berichteten. Tunesische Frauen sehen sich teilweise innerhalb der Familie physischer und auch psychischer Gewalt ausgesetzt. Sie werden vom Ehemann im Alltag eingeschränkt was ihr Haushaltsgeld angeht, ihre Möglichkeiten sich ausserhalb des Hauses zu bewegen oder Freunde zu sehen. In der Ehe werden sie zusätzlich zu sexuellen Praktiken gezwungen, welche sie als entwürdigend ansehen. Diese schleichende Entmenschlichung der Frau kann über Jahre dauern und immer schlimmere Formen annehmen.

Oft wird die Frau von ihrer oder der Familie ihres Mannes gezwungen zu schweigen, damit die Ehre der Familie nicht in Verruf gerät. Darum wenden sich die Frauen oft erst nach Jahren an Organisationen wie ATFD, die ihnen erstmal zuhören und ihnen Unterstützung anbieten.

Gewalt und drohender Armut sehen sich in Tunesien heute auch allein erziehende Mütter ausgesetzt, die sich entscheiden ihr Kind ausserhalb einer Ehe zur Welt zu bringen. Über 100’000 Frauen sind in Tunesien allein erziehend. Samia Ben Messaoud von der Association Amal pour la famille et l’enfant weiss von prekären Fällen, in denen Frauen sich entscheiden das Kind zu behalten, es aber doch in ein Integrationszentrum geben mussten, weil sie es nicht ernähren konnten. Diese Frauen leben am absoluten Rand der Gesellschaft. Sie sind oft von ihren Familien verstossen und leben unter dem Existenzminimum. Unter Umständen sind sie sogar Schleppern oder Menschenhändlern ausgesetzt.

Der Status der allein erziehenden Frau ist in der tunesischen Gesellschaft nach wie vor umstritten. Die Frau hat im traditionellen Rollenverständnis eine soziale Existenz nur dank des Mannes, sagt SamiaBen Messaoud.

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